Der Unterlagen-Nachmittag, Vorsorge ohne Schrecken
Wo liegen die Papiere, wer soll entscheiden, gibt es ein Testament? Wie Familien Vorsorge in Ruhe besprechen, mit einer Liste für einen Nachmittag.

Über Unterlagen und Vorsorge redet man nicht gern. Dabei geht es meistens nicht um große Entscheidungen, sondern um einfache Fragen: Wo liegt was, und wer weiß davon? Ein ruhiger Nachmittag am Küchentisch kann der Familie später viel Suchen ersparen.
Warum man es so lange aufschiebt
Es fühlt sich an, als würde man über das Ende reden. Die Eltern wollen niemandem zur Last fallen. Die Kinder wollen nicht drängen. Und so bleibt es bei einem „Irgendwann reden wir darüber“.
In der Geschichte, warum es das Aethernal Book gibt, steht ein Satz, der beschreibt, was dann passieren kann:
Wir haben als Familie mühsam Dinge herausgefunden, die sie uns ein paar Jahre früher an einem Nachmittag hätte sagen können. Sie hätte es gern getan. Wir haben nur nicht gefragt.
Um genau diesen einen Nachmittag geht es hier. Nicht um Paragrafen, sondern um ein Gespräch und eine Mappe.
Vorsorge besprechen, leise und freiwillig
Das Aethernal Book ist vor allem ein Buch mit Geschichten. Ab der elften Frage kommt aber ab und zu eine Frage, die der Familie später hilft, danach etwa jede sechste. Die ersten zehn Fragen sind nur Erinnerungen.
Diese Vorsorgefragen kommen nur, wenn die Erzählerin oder der Erzähler zustimmt. Die Entscheidung lässt sich später ändern, und jede einzelne Frage lässt sich überspringen. Meist gibt es Antworten zum Antippen, und dann ist immer eine dabei, die entlastet, etwa „Darüber muss ich nachdenken“ oder „Möchte ich lieber persönlich besprechen“.
Zu jeder Frage gibt es außerdem ein kurzes Beispiel aus dem Leben. Zur Frage, wer einmal entscheiden soll, zeigt das Aethernal Book dieses:
Als die Demenz von Frau Wimmer schon weit fortgeschritten war, konnte sie keine Vollmacht mehr unterschreiben. Monatelang durfte ihre Tochter nicht einmal die Miete für sie überweisen.
Die Antworten kommen nicht ins Buch, sondern in einen privaten Ordner, und sie werden verschlüsselt gespeichert. Darin steht eine klare Liste mit sieben Bereichen, etwa „Wer für mich entscheidet“, „Wenn ich Pflege brauche“ oder „Wichtige Unterlagen“, jeweils mit dem Stand: geregelt, festgehalten oder offen. Die Familie sieht nur, wie viele Bereiche festgehalten sind, nicht, was darin steht. Keine Passwörter, keine Kontonummern.
Fragen für den Anfang
Diese Fragen stammen wörtlich aus dem Aethernal Book. Sie eignen sich auch gut, um am Küchentisch ein Gespräch zu beginnen:
- Wo liegen bei dir die wichtigen Papiere wie Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis und Pass?
- Wer hat einen Zweitschlüssel zu deiner Wohnung oder deinem Haus?
- Wo findet man schnell deine e-card und eine Liste deiner Medikamente?
- Falls du einmal Hilfe im Alltag brauchst: Was soll auf jeden Fall so bleiben wie jetzt?
- Wenn du eines Tages nicht mehr selbst entscheiden kannst, etwa wegen einer Demenz: Wer soll dann für dich entscheiden dürfen?
- Falls du dich einmal nicht mehr gut erinnern kannst: Was soll jeder wissen, der dich pflegt?
- Gibt es ein Testament von dir?
Unter der Frage nach der Pflege steht im Aethernal Book: Zum Beispiel, wie du deinen Kaffee trinkst, welche Musik dich beruhigt, wie man dich ansprechen soll oder was du gar nicht magst. Vorsorge ist also nicht nur Papier. Sie ist auch das Wissen darüber, was einem Menschen guttut.
Wie du das Gespräch beginnst
Fang mit dem Einfachen an, mit Papieren und Schlüsseln. Die großen Fragen werden leichter, wenn schon ein paar kleine beantwortet sind.
Ein Anlass macht es leichter. Ein neuer Pass, ein Arzttermin, eine Geschichte aus dem Bekanntenkreis. Oft reicht ein einfacher Satz: „Wo liegen eigentlich deine wichtigen Papiere? Nur damit wir es wissen, falls einmal etwas ist.“
Frag nach Wünschen, nicht nur nach Unterlagen. Die Frage, was auf jeden Fall so bleiben soll wie jetzt, zeigt, dass es um den Menschen geht und nicht um die Ordnung.
Und nimm jede Antwort an. „Darüber muss ich nachdenken“ ist auch eine Antwort. Manchmal kommt die eigentliche Antwort erst beim nächsten Besuch.
Die Liste für einen Nachmittag
Diese Liste ist ein Vorschlag, keine Pflicht. Ziel ist nicht, an einem Nachmittag alles zu regeln. Ziel ist, dass alle wissen, wo was liegt, und was noch fehlt.
Ausweise und Urkunden
- Geburtsurkunde und Staatsbürgerschaftsnachweis
- Heiratsurkunde oder Scheidungsurteil
- Reisepass oder Personalausweis, Meldezettel
Geld und Pension
- Pensionsbescheid
- Eine Liste der Banken und Sparbücher, nur Bank und Ort, keine Nummern
- Wertpapierdepot, Kredite und Bürgschaften
Versicherungen
- Lebens- oder Ablebensversicherung
- Bestattungsvorsorge, falls vorhanden
- Haushalts- und Eigenheimversicherung, private Krankenversicherung
Gesundheit
- Eine aktuelle Liste der Medikamente
- Hausärztin oder Hausarzt und Fachärzte
- Die e-card und der Pflegegeldbescheid, falls vorhanden
Wohnen und Eigentum
- Mietvertrag oder Kaufvertrag und Grundbuchauszug
- Zulassungsschein und Typenschein vom Auto
- Schlüssel: Wer hat welchen?
Verträge und Abos
- Strom, Gas, Internet und Handy
- Zeitungen, Mitgliedschaften und Vereine
- Daueraufträge
Vorsorge
- Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, falls vorhanden
- Testament oder ein Hinweis, wo es liegt
Digitales
- Wo Hinweise zu Handy, E-Mail und Online-Konten liegen, ohne Passwörter
- Wo die Fotos aufbewahrt sind, in Alben, am Handy oder am Computer
So wird es ein guter Nachmittag
- Such einen ruhigen Tag aus, an dem niemand in Eile ist.
- Leg alles in eine Mappe und beschrifte sie. Dann weiß später jeder, wo er suchen muss.
- Schreib nur auf, wo etwas liegt. Keine Kontonummern, keine Passwörter.
- Notier, was fehlt, statt alles sofort lösen zu wollen.
- Wer etwas lieber unter vier Augen besprechen möchte, darf das.
- Zum Schluss etwas Schönes: ein Stück Kuchen, ein altes Foto, eine Geschichte von früher.
Wo Beratung hingehört
Dieser Nachmittag ersetzt keine Beratung. Ob und wie jemand eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung oder ein Testament macht, gehört in ein Gespräch mit einer Notarin, einem Anwalt oder dem Erwachsenenschutzverein. Der Nachmittag sorgt nur dafür, dass ihr wisst, welche Fragen ihr dorthin mitnehmt, und wo die Unterlagen liegen, wenn ihr sie braucht.
Vielleicht beginnt alles mit einer einzigen Frage beim nächsten Sonntagsessen. Im Aethernal Book kommen solche Fragen leise und freiwillig, zwischen vielen Geschichten. Der Start wird angekündigt, und du kannst dich jetzt vormerken. Fragen für die leichteren Nachmittage findest du in Fragen an Eltern und Großeltern.