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Æthernal Book

Warum es das Aethernal Book gibt

Meine Oma hat eine schwere Demenz, und ich habe sie nie nach ihrem Leben gefragt. Warum es das Aethernal Book gibt und warum meine Mama die Erste ist.

Fabian Fehervary · · 3 Minuten Lesezeit

Inhalt
  1. Meine Oma
  2. Was wir verpasst haben
  3. Wie das Aethernal Book funktioniert
  4. Warum auch die schweren Fragen dazugehören
  5. Für wen es ist
Eine Hand hält vier ältere Farbfotos mit Wald, rotem Haus, VW Bus und See über einem Holzrahmen.
Foto: Josh Hild auf Unsplash

Ich bin Fabian. Das Aethernal Book ist mein Projekt, und es hat viel mit meiner eigenen Familie zu tun. Hier erzähle ich, warum es das Aethernal Book gibt und wie es funktioniert.

Meine Oma

Meine Oma hat ein ganzes Leben in sich. Eine Kindheit, die ich nicht kenne. Eine Jugend, von der ich nur Bruchstücke weiß. Heute hat sie eine schwere Demenz, und all das ist noch irgendwo in ihr. Nur erzählen kann sie es nicht mehr.

Das Schlimmste daran: Ich habe nie gefragt. Nicht, weil es mich nicht interessiert hätte. Sondern weil ich dachte, dafür ist noch Zeit. Beim nächsten Besuch. Zu Weihnachten. Irgendwann.

Irgendwann ist ein freundliches Wort. Es drängt nicht, und es verlangt nichts. Genau darum lassen sich die wichtigen Fragen so bequem darin aufheben.

Was wir verpasst haben

Dann kam alles, was geregelt werden musste: die Erwachsenenvertretung, die Unterlagen, die Frage nach dem Testament. Wir haben als Familie mühsam Dinge herausgefunden, die sie uns ein paar Jahre früher an einem Nachmittag hätte sagen können. Sie hätte es gern getan. Wir haben nur nicht gefragt.

Es waren also zwei Arten von Fragen, die wir nie gestellt haben. Die nach den Geschichten, die nur sie kannte. Und die nach den nüchternen Dingen, die uns später viel Suchen erspart hätten. Für beide hätte es nur jemanden gebraucht, der rechtzeitig fragt.

Darum fange ich jetzt bei meiner Mama an. Sie ist die Erste, die ihr Aethernal Book erzählt. Nicht, weil die Zeit drängt. Sondern weil ich nicht noch einmal zu spät fragen will.

Wie das Aethernal Book funktioniert

Das Aethernal Book soll das Fragen leichter machen. Erwachsene Kinder und Enkel schenken einem Menschen aus der Familie ein Jahr lang Fragen zu seinem Leben. Der Mama, dem Papa, der Oma, dem Opa, der Tante.

Die Fragen kommen per E-Mail, so oft die Erzählerin oder der Erzähler es möchte: jeden Tag, alle drei Tage, einmal pro Woche oder alle zwei Wochen. Es braucht keine App und kein Passwort. Ein Tipp auf den Knopf, und die Frage ist da, am Handy, am Tablet oder am Computer.

Beantwortet wird, wie es gerade passt: schreibend, sprechend oder mit einem alten Foto. Wer lieber redet als tippt, erzählt einfach. Die Aufnahme wird abgeschrieben, und im Buch steht neben dem Text ein kleiner QR-Code, der die Stimme abspielt.

Die Fragen beginnen leicht. In welcher Straße man aufgewachsen ist und wie es dort gerochen hat. Was am Sonntag auf dem Tisch gestanden ist. Die schwereren Themen kommen erst später. So entsteht über das Jahr eine Lebensgeschichte, erzählt in den eigenen Worten.

Die Familie sieht in diesem Jahr nur den Fortschritt. Dass erzählt wird, aber nicht, was. Bevor gedruckt wird, liest ein Mensch jedes Buch durch: die Abschriften, die Fotos, die Seiten. Die Worte und der Dialekt bleiben, wie sie sind. Am Ende kommt das Buch, gedruckt und fest gebunden, 21 × 21 cm.

Warum auch die schweren Fragen dazugehören

Weil uns bei meiner Oma beides gefehlt hat, gibt es im Aethernal Book auch Fragen, die der Familie später helfen. Wer soll entscheiden, wenn man es selbst nicht mehr kann? Wo liegen die Unterlagen? Gibt es ein Testament?

Diese Fragen kommen frühestens ab der elften Frage, nur mit Zustimmung, und jede lässt sich überspringen. Die Antworten kommen nicht ins Buch, sondern in einen privaten Ordner. Wie man so ein Gespräch in der Familie beginnen kann, steht in Der Unterlagen-Nachmittag.

Für wen es ist

Das Aethernal Book ist für alle, denen es geht wie mir. Damit die Geschichten bleiben, solange sie jemand erzählen kann. Und damit die wichtigen Fragen gestellt werden, solange jemand sie beantworten kann.

Vielleicht hast du beim Lesen an jemanden gedacht. An eine Oma, einen Papa, eine Tante. Dann ist jetzt eine gute Zeit für eine erste Frage, mit oder ohne Aethernal Book.

Noch ist das Aethernal Book nicht für alle offen, der Start wird angekündigt. Wenn du magst, kannst du dich vormerken, dann melde ich mich persönlich, sobald es losgeht. Und wenn du heute schon anfangen willst, findest du in den Fragen an Eltern und Großeltern einen guten Anfang. Die Geschichten sind noch da. Fang an zu fragen.