Fragen an Eltern und Großeltern, die Erinnerungen wecken
Über 30 Fragen an Oma, Opa, Mama und Papa, nach Kapiteln geordnet. Dazu Tipps, wie du fragst, zuhörst und Erinnerungen festhältst.

Wann hast du deine Oma zuletzt gefragt, wie sie Opa kennengelernt hat? Die Geschichten unserer Eltern und Großeltern sind alle noch da. Es fragt nur selten jemand danach. Hier findest du Fragen an Oma und Opa, an Mama und Papa, die Erinnerungen wecken, und ein paar Gedanken dazu, wie man fragt und zuhört.
Woher die Fragen kommen
Die Fragen in den Listen unten stammen wörtlich aus dem Aethernal Book. Dort bekommt eine Erzählerin oder ein Erzähler ein Jahr lang Fragen zum eigenen Leben, per E-Mail und im selbst gewählten Rhythmus. Die leichten, fröhlichen Fragen kommen zuerst. Danach geht es grob der Reihe nach durchs Leben, und die schwereren Themen kommen eher später. Etwa jede achte Frage ist eine Fotoaufgabe.
Du brauchst für diese Fragen aber kein Aethernal Book. Jede funktioniert genauso beim nächsten Besuch, am Telefon oder beim Sonntagsessen. Such dir zwei oder drei aus, die zu deiner Oma, deinem Opa, deiner Mama oder deinem Papa passen.
Fragen nach Kapiteln
Im Aethernal Book sind die Fragen in zwölf Kapitel geordnet. Aus jedem findest du hier eine kleine Auswahl.
Kindheit
Hier beginnt alles. Die allererste Frage im Aethernal Book ist die erste in dieser Liste.
- In welcher Straße bist du aufgewachsen, und wie hat es dort gerochen?
- Welches Spiel habt ihr Kinder draußen gespielt, bis es finster wurde?
- Welches Spielzeug hast du am meisten geliebt, und was ist aus ihm geworden?
Jugend
- Wie hast du deine ersten eigenen Schilling verdient?
- Welche Platte oder welches Lied hast du als junger Mensch rauf und runter gehört?
- Wie war deine Tanzschule oder dein erster Ball, und mit wem hast du den ersten Walzer getanzt?
Unter der Frage nach dem ersten Geld steht im Aethernal Book: Ob Zeitungen austragen oder Erdäpfel klauben, alles zählt.
Liebe und Partnerschaft
- In wen warst du zum allerersten Mal verliebt?
- Wie hast du den Menschen kennengelernt, mit dem du die längste Zeit deines Lebens geteilt hast?
- Was hattest du beim ersten Rendezvous an?
Arbeit und Beruf
- Was hast du dir vom ersten Lohn oder Gehalt gekauft?
- Was genau war deine Arbeit? Erklär es so, als wären deine Enkel zehn Jahre alt.
- Welches Missgeschick in der Arbeit kannst du heute mit einem Lachen erzählen?
Familie und Kinder
- Wie hast du erfahren, dass du zum ersten Mal Mutter oder Vater wirst?
- Wie seid ihr auf die Namen eurer Kinder gekommen, und welcher Name ist knapp ausgeschieden?
- Welche Familiengeschichte wird bei jedem großen Essen wieder erzählt?
Zuhause und Alltag
- Was ist bei euch daheim am Sonntag auf dem Tisch gestanden?
- Wie ist bei euch der Heilige Abend abgelaufen, vom Christbaum bis zum letzten Keks?
- Welches Gericht soll die Familie unbedingt nachkochen können? Schreib das Rezept auf.
Reisen und Erlebnisse
- Wie war ein Sommer bei Verwandten oder am Land, als du klein warst?
- Wohin ging die erste Urlaubsfahrt mit dem eigenen Auto, und was ist unterwegs schiefgegangen?
- Wann hast du zum ersten Mal das Meer gesehen, und was hast du dabei gedacht?
Zeitgeschichte
- Wann gab es bei euch den ersten Fernseher, und was habt ihr als Erstes geschaut?
- Wo warst du im Juli 1969, als die ersten Menschen den Mond betreten haben?
- Was hat eine Semmel, ein Krügerl oder eine Kinokarte gekostet, als du jung warst?
Werte und Glaube
- Was hat dir in schweren Zeiten Halt gegeben?
- Wofür bist du in deinem Leben am dankbarsten?
- An welchem Tag hast du dir einmal gedacht: Genau so ist das Leben gut?
Weisheiten und Ratschläge
- Welchen Rat hättest du mit zwanzig gut brauchen können?
- Welcher Satz deiner Eltern ist dir ein Leben lang nachgegangen?
- Was ist das Wichtigste, das du im Leben gelernt hast, in einem einzigen Satz?
Für die Enkel
- Welches Kartenspiel, welchen Zaubertrick oder welches Lied sollen deine Enkel unbedingt von dir lernen?
- Was ist der frechste Streich, den du selbst einmal gespielt hast?
- Was sollen deine Enkel über dich wissen, das sie wahrscheinlich nie vermuten würden?
Für die Familie
- Welche Familientradition soll unbedingt weitergehen, auch wenn sie manchmal mühsam ist?
- Lass jemanden ein Foto von deinen Händen machen und erzähl, was sie in deinem Leben alles geschafft haben.
Wie du fragst
Klein und konkret anfangen
„Erzähl einmal von früher“ ist eine schwere Bitte. Sie ist so groß, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Leichter geht es mit etwas Kleinem: einem Geruch, einem Lied, einem Spiel. Darum fragt das Aethernal Book ganz am Anfang nicht nach der Kindheit im Allgemeinen, sondern nach der Straße, in der man aufgewachsen ist, und wie es dort gerochen hat. Darunter steht ein kleiner Satz: Ein Detail reicht schon.
Eine Frage, dann Ruhe
Stell eine Frage und warte. Auch wenn es still wird. Erinnerungen brauchen manchmal einen Moment, bis sie da sind. Wer die Stille sofort mit der nächsten Frage füllt, unterbricht leicht genau den Gedanken, der gerade kommen wollte.
Nachfragen statt weiterspringen
Oft steckt die eigentliche Geschichte in der zweiten Frage. Und dann? Wer war noch dabei? Wie hat das ausgeschaut? Wie hat sie geheißen? Kleine Nachfragen zeigen, dass du wirklich zuhörst. Unter der Frage, wie man den Menschen kennengelernt hat, mit dem man die längste Zeit des Lebens geteilt hat, steht im Aethernal Book genau so eine Hilfe: Wo, wann, und wer hat zuerst geredet?
Mit einem Foto beginnen
Ein altes Foto ist ein guter Anfang, weil es die Erinnerung schon mitbringt. Eine Fotoaufgabe aus dem Aethernal Book lautet zum Beispiel: Such ein Klassenfoto heraus und erzähl, wer neben dir steht. Beim Besuch geht das genauso. Eine Schachtel mit Fotos auf dem Tisch, und das Erzählen kommt oft ganz von allein.
Schwere Themen behutsam
Nicht jede Erinnerung ist leicht. Unter manchen Fragen im Aethernal Book steht ein kleiner Satz: Nur so viel, wie du magst. Das gilt auch am Küchentisch. Wer nicht weitererzählen will, muss nicht. Und wenn jemand weint, hilft es oft schon, einfach dazubleiben.
Wenn eine Frage nicht zündet
Nicht jede Frage passt zu jedem Menschen. Wenn eine nichts auslöst, nimm einfach die nächste. Und wenn jemand etwas nicht mehr weiß, hilft eine kleine Brücke. Unter der Frage nach der Mondlandung steht im Aethernal Book: Falls du es nicht mehr weißt: Was hat man damals darüber geredet?
Manchmal kommt die Antwort auch erst Tage später, beim Abwaschen oder beim Spazierengehen. Dann lohnt es sich, beim nächsten Anruf noch einmal nachzufragen.
Wie du zuhörst
- Leg das Handy weg, außer du nimmst das Gespräch auf.
- Korrigier nichts. Ob es 1962 war oder 1963, ist egal. Es geht um die Geschichte, nicht um das Protokoll.
- Erzähl nicht gleich deine eigene Geschichte dazu. Die hat später Platz.
- Lach mit, wo gelacht wird. Unter der Frage, wofür man als Kind einmal so richtig geschimpft bekommen hat, steht im Aethernal Book: Heute darf man darüber lachen.
- Merk dir Namen und frag beim nächsten Mal danach. Das zeigt mehr als jede neue Frage, dass dich die Antwort wirklich interessiert hat.
Erinnerungen festhalten
Was nur erzählt wird, geht leicht wieder verloren. Du kannst mitschreiben oder, wenn alle einverstanden sind, das Gespräch mit dem Handy aufnehmen. Eine Aufnahme hält mehr fest als jede Notiz: das Lachen, die Pausen, den Dialekt. Warum das so viel ausmacht, steht in Ein Buch, das man hören kann.
Ein Jahr statt eines Nachmittags
Ein Nachmittag reicht selten für ein ganzes Leben. Im Aethernal Book kommen die Fragen ein Jahr lang per E-Mail, so oft die Erzählerin oder der Erzähler es möchte: jeden Tag, alle drei Tage, einmal pro Woche oder alle zwei Wochen. Beantwortet wird schreibend, sprechend oder mit einem Foto. Niemand muss alle Fragen beantworten. Am Ende steht ein gedrucktes, gebundenes Buch.
Die allerletzte Frage im Aethernal Book lautet übrigens: Was möchtest du deiner Familie am Ende dieses Buches noch sagen?
Der Start des Aethernal Book wird angekündigt, und du kannst dich jetzt schon vormerken. Wenn du überlegst, wem du so ein Jahr schenken könntest, steht in Ein Geschenk für Eltern, die schon alles haben, wie das Geschenk abläuft. Bis dahin such dir eine Frage aus und stell sie beim nächsten Besuch.