Ein Buch, das man hören kann
Im Aethernal Book darf man einfach erzählen. Die Aufnahme wird abgeschrieben, der Dialekt bleibt, und ein kleiner QR-Code im Buch spielt die Stimme ab.

Viele Menschen erzählen lieber, als sie schreiben. Im Aethernal Book dürfen sie das. Sie reden einfach, und im Buch steht später beides: ihre Worte als Text und daneben ein kleiner Code, der ihre Stimme abspielt.
Reden statt tippen
Die eigene Lebensgeschichte aufschreiben klingt nach viel Arbeit. Erzählen klingt nach Kaffee und Zeit. Darum gibt es im Aethernal Book drei Wege, eine Frage zu beantworten: schreiben, sprechen oder ein Foto zeigen.
Die Fragen kommen per E-Mail. Ein Tipp auf den Knopf, und die Frage ist offen, am Handy, am Tablet oder am Computer. Wer nicht gern tippt, nimmt einfach auf und erzählt, so viel er oder sie mag.
Was gesagt wird, wird abgeschrieben. Die Erzählerin oder der Erzähler kann den Text danach lesen und ändern. Und wenn eine Frage gerade nicht passt, lässt sie sich überspringen.
Erzählen ohne Druck
Die Frage kommt zur Uhrzeit, die man sich ausgesucht hat, groß geschrieben und mit einem Knopf: Jetzt erzählen. Wer gerade keine Zeit hat, lässt sie einfach warten. Wer Lust auf mehr hat, muss nicht auf die nächste Frage warten. Und wer auf Urlaub ist, macht Pause.
Für eine gute Aufnahme braucht es wenig. Ein ruhiger Raum, das Handy in der Nähe, der Fernseher aus. Versprecher sind kein Problem, denn den Text kann man danach in Ruhe lesen und ändern.
Was beim Erzählen im Hintergrund passiert
Beim Sprechen sichert das Handy alle fünf Sekunden, was schon gesagt ist. Die Aufnahme geht in kleinen Stücken auf den Server. Gibt es ein Funkloch, wartet das Handy und schickt den Rest später. So geht nichts verloren, auch wenn das Netz einmal schwach ist.
Zum Abschreiben schickt der Server die Aufnahme an Mistral, einen Anbieter in Frankreich, und bekommt den Text zurück. Die Aufnahme geht nur zum Abschreiben dorthin und wird nicht zum Lernen verwendet. Mistral bewahrt sie bis zu 30 Tage auf, nur um Missbrauch zu erkennen. Danach wird sie dort gelöscht.
Der Dialekt bleibt
Bevor ein Buch gedruckt wird, liest ein Mensch alles durch. Bei diesem Profi-Check geht es darum, ob die Abschriften der Sprachaufnahmen stimmen, ob die Fotos scharf sind und ob alles Sinn ergibt. Korrigiert werden nur echte Abschreibfehler. Ist etwas unklar, gibt es eine Rückfrage.
Die Worte und der Dialekt bleiben, wie sie sind. Nichts wird heimlich umgeschrieben oder glatt gebügelt. Zum Beispiel: Wer „Erdäpfel“ sagt, bekommt im Buch keine Kartoffeln. Und wer jeden zweiten Satz mit „na ja“ beginnt, darf das auch im Buch.
Der kleine Code neben dem Text
Im Buch steht der Text. Und man kann die Stimme hören. Neben jeder Geschichte, die gesprochen wurde, ist ein kleiner QR-Code. Handy drauf halten, und man hört die Erzählerin oder den Erzähler selbst. Geschützt ist die Stimme mit einem eigenen Hörwort. Nur wer es kennt, hört zu.
Das Buch ist quadratisch, 21 × 21 cm, und fest gebunden. Die Fotos stehen darin wie eingeklebt, mit den eigenen Bildunterschriften. Und wo erzählt wurde, ist die Stimme gleich daneben.
Warum eine Stimme mehr trägt als Text
Ein Text erzählt, was passiert ist. Eine Stimme erzählt auch, wie es war. Man hört, wo jemand kurz stockt. Wo das Lachen schon vor der Pointe kommt. Wie ein Name klingt, wenn ihn jemand ausspricht, der diesen Menschen gernhatte.
Stell dir vor, du liest im Buch von der Straße, in der deine Oma aufgewachsen ist. Dann hältst du das Handy auf den Code und hörst sie selbst davon erzählen, in ihrem Tonfall, mit ihren Pausen. Das ist ein anderes Lesen.
Gerade der Dialekt geht beim Aufschreiben leicht verloren. Ein „Servus“ oder ein „Bussi“ liest sich auf Papier anders, als es klingt. Die Aufnahme behält den Klang. Für Enkel, die vielleicht schon anders reden als ihre Großeltern, ist das ein Stück Herkunft zum Anhören.
Fragen, bei denen man die Stimme hören will
Manche Fragen im Aethernal Book verlangen fast nach einer Aufnahme. Zum Beispiel diese:
- Welches Lied hast du deinen Kindern oder Enkeln zum Einschlafen gesungen?
- Welcher Satz deiner Eltern ist dir ein Leben lang nachgegangen?
- Was war das lustigste Wort, das eines deiner Kinder als Kleinkind erfunden hat?
Unter der ersten steht im Aethernal Book: Gern mit Text, soweit du ihn weißt. Wer mag, singt das Lied einfach vor. Dann ist hinter dem Code nicht nur eine Stimme, sondern eine Melodie.
Wo die Aufnahmen liegen
Alles liegt auf einem eigenen Server in Europa. Es gibt keine Werbung, und die Daten werden nicht verkauft. Bis die Erzählerin ihr Buch freigibt, sieht niemand ihre Geschichten, auch die Familie nicht. Danach liest sie zuerst der Mensch, der das Buch vor dem Druck prüft.
Für den Code im Buch bleibt die Aufnahme auf dem Server gespeichert. Nach dem Druck bleiben die Daten zwölf Monate, damit Nachbestellungen möglich sind, danach werden sie gelöscht. Einen Monat und noch einmal drei Tage vorher kommt eine Nachricht, und wer alles behalten möchte, sagt das in den Einstellungen. Außerdem lässt sich jederzeit alles herunterladen, als Datei mit Texten, Fotos und Aufnahmen. So kann die Stimme auch unabhängig vom Buch in der Familie bleiben.
Vielleicht denkst du jetzt an jemanden, dessen Stimme du gern in einem Buch hättest. Der Start des Aethernal Book wird angekündigt, und du kannst dich jetzt vormerken. Welche Fragen dort gestellt werden, zeigt Fragen an Eltern und Großeltern. Und warum es das Aethernal Book überhaupt gibt, steht in dieser Geschichte.